VORTRAG: Die Wirkung von künstlerischen Therapien auf die Gesundheit von Patienten: Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien
Prof. Dr. med. Anne Berghöfer
Hintergrund: Künstlerische Therapien haben im therapeutischen Portfolio eine lange Tradition. In den letzten Jahren entstand eine Vielzahl von Publikationen zur Evidenz der Wirksamkeit von künstlerischen Therapien. Ziel des systematischen Reviews war, einen umfassenden Überblick über die Effekte dieser Therapieform in verschiedenen Indikationsbereichen zu schaffen.
Methoden: Die systematische Übersichtsarbeit wurde unter der PROSPERO-ID CRD42021233272 vorregistriert. Einschlusskriterien waren a) die Anwendung aktiver visueller Kunsttherapie (AVK) mit therapeutischer Zielsetzung, b) Studien mit randomisiertem kontrolliertem Design, sowie c) Kontrollgruppen, die andere Interventionen als AVK einsetzten. Die systematische Literatursuche erfolgte in zehn Datenbanken, darunter die Cochrane Library, Embase und MEDLINE. Die Studienqualität wurde mithilfe des Cochrane Risk of Bias-Tools bewertet. Ergebnisdarstellungen erfolgten mit Forest-Plots für die gepoolten Daten, sowie für verschiedene Subgruppen.
Ergebnisse: Identifiziert wurden 75 Publikationen aus 69 Studien mit insgesamt ca. 4.200 Teilnehmenden, die Daten aus 50 Studien konnten in der Meta-Analyse analysiert werden. In der Mehrzahl der Studien wurden künstlerische Therapien zur Behandlung von Patienten mit psychischen Störungen eingesetzt, am häufigsten bei Angstzuständen, Depressionen, zur Steigerung der Lebensqualität, des Selbstwertgefühls und der sozialen Anpassung. Insgesamt hatte die Kunsttherapie tendenziell positive Effekte, aber die allgemeine Qualität der Studien war gering.
Schlussfolgerung: Das systematische Review konnte Hinweise auf einen therapeutischen Nutzen von künstlerischen Therapien zeigen. Es sind jedoch weitere qualitativ hochwertige Studien erforderlich, um Standards und Best-Practice-Modelle für die Kunsttherapie festzulegen und ausreichend robuste Evidenz für die potenzielle Wirksamkeit zu generieren.
Prof. Dr. med. Anne Berghöfer ist leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Nach Studium der Medizin an der Freien Universität Berlin und langjähriger klinischer Tätigkeit in der Psychiatrie habilitierte sie sich 2015 im Fach Sozialmedizin und Epidemiologie, seit 2022 ist sie außerplanmäßige Professorin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der psychiatrischen Versorgungsforschung und Evaluation innovativer Versorgungsformen im Gesundheitswesen. Sie leitet Projekte zur Schließung von Versorgungslücken und Versorgung marginalisierter Gruppen im Gesundheitswesen. Sie ist Autorin von ca. 200 Publikationen und Herausgeberin von mehreren Fachbüchern. Sie koordiniert seit der Gründung 2022 das Netzwerk Kunst und Medizin an der Charité und ist Vorstandsmitglied der internationalen Fachgesellschaft International Society for Arts and Medicine (ISfAM) e.V.