9. Jahrestagung der WFKT

VORTRAG: MT-Voice – Erprobung eines Assessments für die musiktherapeutische Arbeit
mit älteren Menschen

Samuel Gracida*, Amy Clements-Cortes, Bill Ahessy & Alexander F. Wormit* (*Vortragende)

Mit der steigenden Zahl älterer Menschen wächst auch die Bedeutung differenzierter und
personenzentrierter musiktherapeutischer Assessments im geriatrischen Bereich. Das
internationale Forschungsprojekt „MT-VOICE“ („Valuing Older Individuals through
Comprehensive Evaluation“) verfolgt das Ziel, ein umfassendes musiktherapeutisches
Assessmentinstrument für ältere Erwachsene zu entwickeln, mehrsprachig verfügbar zu
machen und in unterschiedlichen kulturellen sowie klinischen Kontexten zu evaluieren.
Aufbauend auf dem früheren „Music Therapy Assessment for Older Adults“ (MTAOA) wurde
das Instrument in einem community-engagierten und interdisziplinären Forschungsprozess
grundlegend überarbeitet.
Das Assessment integriert musikalische, kognitive, kommunikative, psychosoziale und
sensomotorische Aspekte in einem personenzentrierten Ansatz und legt besonderen Wert
auf narrative Elemente, Ressourcenorientierung sowie die individuelle Lebensgeschichte
älterer Menschen. Entwickelt wurde MT-VOICE durch eine internationale Arbeitsgruppe
unter Beteiligung von Musiktherapeut:innen aus mehreren Ländern. Neben der englischen
Originalversion wurden spanische, französische und deutsche Versionen erstellt. In
Deutschland erfolgt die Erprobung und Evaluation in Kooperation zwischen der
SRH University of Applied Sciences Heidelberg und dem Theodor Fliedner Haus Heidelberg.
Die praktische Anwendung des Assessments wird in Einrichtungen der Altenhilfe erprobt und
in Fokusgruppeninterviews mit Musiktherapeut:inenn zur klinischen Anwendbarkeit,
Verständlichkeit und kulturellen Adaptierbarkeit evaluiert. Parallel dazu werden ein
begleitendes Manual, wissenschaftliche Publikationen sowie eine internationale
Projektwebsite (MT-VOICE) entwickelt.
MT-VOICE versteht sich als Beitrag zur Weiterentwicklung evidenzbasierter und
personenzentrierter Musiktherapie im Bereich der Altenhilfe. Das Projekt zielt darauf ab,
musiktherapeutische Diagnostik international vergleichbarer zu machen, die interdisziplinäre
Sichtbarkeit musiktherapeutischer Arbeit zu stärken und die Entwicklung individueller
musikbasierter Behandlungsziele im geriatrischen Kontext zu unterstützen.
Clements-Cortés, A. (2024). Music Therapy Assessment for Older Adults: Descriptive Mixed-Methods
Study. Behavioral Sciences, 14(5), 354. https://doi.org/10.3390/bs14050354.

Samuel Gracida, M.A., MT, NMT™
Musiktherapeut, Multiinstrumentalist und wissenschaftlicher Mitarbeiter mit internationaler Erfahrung in
Deutschland, Mexiko, Kolumbien und den USA. Derzeit arbeitet er im Bereich Musiktherapie mit
älteren Menschen am Theodor Fliedner Haus in Heidelberg sowie an der SRH University of Applied
Sciences Heidelberg im Projekt „Bridges“, das musiktherapeutische und community-orientierte
Angebote für geflüchtete Menschen entwickelt.
Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in personenzentrierter Musiktherapie, Musik und Gesundheit,
kultursensibler Praxis sowie der Entwicklung musiktherapeutischer Assessments. Gemeinsam mit
internationalen Kolleg:innen ist er an der Entwicklung des Assessments „MT-VOICE“ für die
musiktherapeutische Arbeit mit älteren Menschen beteiligt. Darüber hinaus engagiert er sich in
internationalen Forschungs- und Publikationsprojekten, unter anderem im Bereich Musiktherapie mit
geflüchteten Menschen.
Startseite – Samuel Gracida
Kontakt: Samuel.Gracida@srh.de

Amy Clements-Cortes, PhD, RP, MTA, MT-BC
Außerordentliche Professorin an der Fakultät für Musik der Universität Toronto sowie zertifizierte
Musiktherapeutin und registrierte Psychotherapeutin. Sie ist Chefredakteurin des „Music and Medicine
Journal“, Vorsitzende des Ausschusses für Forschung und Ethik der World Federation of Music
Therapy und verfügt über umfangreiche klinische Erfahrung in der Arbeit mit Klienten aller
Altersgruppen, mit den Schwerpunkten psychische Gesundheit, Demenz und Palliativpflege. Ihre
Forschungsbeiträge haben das Verständnis bisher wenig erforschter Phänomene maßgeblich
beeinflusst und zu verbesserten Behandlungsmethoden durch Fachleute aus den Bereichen Musik
und Medizin geführt. Dazu gehören: Beziehungsabschluss für Menschen am Lebensende,
vibroakustische Therapie und Gesangsprotokolle für Menschen mit Demenzdiagnose sowie Erfahrungen aus musiktherapeutischen Praktika.
Amy Clements-Cortes | About | University of Toronto

Bill Ahessy MMT, Dip. Sup.
Musiktherapeut und klinischer Supervisor mit Sitz in Dublin, postgraduale Abschlüsse in
Musiktherapie, Forschung und kreativer Supervision sowie Fachausbildungen in personenzentrierter
Demenzbetreuung, neurologischer Musiktherapie und achtsamkeitsbasierten Ansätzen. Er verfügt
über umfangreiche klinische Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Entwicklungsstörungen und
zusätzlichen Betreuungsbedürfnissen, psychischen Erkrankungen, erworbenen Hirnverletzungen und
altersbedingten Erkrankungen, einschließlich Demenz. Er arbeitet derzeit bei einem ambulanter Dienst
für psychische Gesundheit mit älteren Menschen in Wohnheimen sowie mit Kindern mit
Sehbehinderungen und zusätzlichen Förderbedürfnissen in Förderschulen. Forschungsschwerpunkte
sind Musiktherapie bei Menschen mit Demenz, chorbasierte Interventionen bei älteren Menschen,
Musiktherapie bei Kindern mit Sehbehinderungen sowie LGBTQ+-Perspektiven in der Musiktherapie.
IACAT

Prof. Dr. sc. hum. Alexander F. Wormit
Professor für Klinische Musiktherapie an der SRH University of Applied Sciences Heidelberg, Leiter
des Bachelorstudiengang Musiktherapie im Department of Therapeutic Sciences und Beauftragter für
Forschung in der School of Health, Education and Social Sciences. Mitglied im Wissenschaftlichen
Beirat der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft (DMtG), in der Wissenschaftlichen
Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien (WFKT) und der Steuerungsgruppe der Bundesinitiative
für Musik und Demenz. Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Musiktherapie in der geriatrischen Pflege,
musikbasierte Interventionen für junge Menschen mit Fluchterfahrung und ambulante Musiktherapie
bei Depressionen.
Prof. Dr. Alexander Wormit | School of Health, Education and Social Sciences